Hilfsfrist neu definieren

Symbolbild Hilfsfrist
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Bei der Neu-Strukturierung der Hilfsfrist sollten folgende Maßstäbe gelten:

  • Medizinische Bedürfnisse der Notfallpatienten
  • Empfehlungen aus medizinischen Leitlinien
  • Balance zwischen möglichst schneller Versorgung und Wirtschaftlichkeit des Rettungsdienstes
  • Ressourcen und Notwendigkeiten in den Rettungsleitstellen
  • rechtliche Vorgaben

Notfallmedizinische Aspekte

Rettungsdienst-Einsätze haben eine große Bandbreite. In einzelnen Fällen ist eine schnelle Rettung entscheidend. In anderen Fällen kommt es auf eine angemessene und qualifizierte Vor-Ort-Versorgung oder auf ein schnellstmögliches Eintreffen in einer geeigneten Klinik an. Und wiederum in anderen Fällen steht mehr die Wahl des geeigneten Krankenhauses im Vordergrund. Dabei ist auch eine Überschneidung oder Kombination dieser Situationen und Notwendigkeiten möglich.

  1. Bei einigen wenigen Notfällen wie zum Beispiel beim plötzlichen Herzkreislaufstillstand oder akutem Erstickungsgeschehen zählt tatsächliche „jede Sekunde“, um den Patienten retten zu können. Nach der Wiederherstellung der Vitalfunktionen ist ein zügiger Transport ins Krankenhaus wichtig, es kommt aber nicht mehr auf „jede Minute“ an. 
  2. Im Gegensatz dazu sind Notfälle definiert, bei denen der Rettungsdienst nicht nur schnell beim Patienten eintreffen, sondern mit dem Patienten auch so schnell wie möglich die geeignete Klinik erreichen sollte, wie zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Hier steht meist ein qualifizierter Transport ohne unmittelbar lebensrettende Intervention am Notfallort im Vordergrund.
  3. In einem dritten Komplex geht es um eine relativ große Gruppe an Patienten, die eine nicht lebensrettende, aber Leiden lindernde qualifiziert Erstdiagnostik und Notfallversorgung am Notfallort benötigen und anschließend ohne Dringlichkeit in eine Klinik transportiert werden müssen.

Forderung nach Abschaffung der veralteten starren Hilfsfristen

Die in Deutschland geltenden verschiedenen Hilfsfristen für den Rettungsdienst sind nicht mehr zeitgemäß. In den Bundesländern gelten unterschiedliche Vorgaben und die diesbezüglichen Recherchen ergeben, dass sich diese Vorgaben meist auf Traditionen und Erfahrungen, nicht aber auf Evidenz stützen, weil es kaum Untersuchungen zur Effektivität von Hilfsfristen gibt. Ausnahmen bilden Tracer-Diagnosen wie etwa der Herz-Kreislauf-Stillstand oder der Schlaganfall.

Von dieser Erkenntnis ausgehend, sind wir dabei gemeinsam mit einem multiprofessionelles Expertenteam die Zusammenhänge anhand von aktuellen Faktoren neu zu denken. Vorgaben, Leitlinien und Lösungsansätze werden geprüft, eingehend diskutiert und eine Empfehlung für ein neues Hilfsfristmodell erarbeitet.

Gehen aus neuen medizinischen Leitlinien Empfehlungen hervor, wie schnell oder wo Notfallpatienten behandelt werden müssen, sind auch diese Vorgaben umgehend einzuarbeiten. Ebenso sollten hinkünftig alle neuen sinnvollen Verwendungsmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz berücksichtigt werden.

Was sagen die Guidelines?

Die weltweit gültigen Guidelines (Reanimationsleitlinien) stellen die wissenschaftliche Basis und die daraus resultierenden Therapieempfehlungen dar. Sie basieren auf dem „International Consensus on Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care Science” und erscheinen alle fünf Jahre, zuletzt 2021.

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