Leitstelle: Standort­diskussionen oder Cloud?

Leitstelle: Standortdiskussionen oder Cloud?
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Liest man die täglichen Pressemeldungen in denen das Wort "Leitstelle" vorkommt oder erwähnt wird, dann scheint es in diesem Bereich kein anderes Thema zu geben als "Zusammenlegungen von Leitstellen".

Vor allem in Deutschland, aber auch anderen Teilen Europas und auch in den USA gibt es permanente Diskussion, dass Leitstellen zusammengelegt werden sollen. Das bezieht sich sowohl auf örtliche Zusammenlegungen, wenn etwa mehrere Landkreise zusammenfasst werden sollen, aber auch auf Organisationszusammenlegungen.

Zur Zusammenlegung von Organisationen

Solange nicht ein und derselbe Calltaker/Disponent alle Arten von Notrufen auch tatsächlich mit Hilfe eines standardisierten Notruf-Abfragesystems sofort und ohne Verzögerung oder Verbinden bedienen kann, bringt eine örtliche Zusammenführung gar nichts. Ob Mitarbeiter unterschiedlicher Organisationen oder Dienstleistungsbereichen an ein und demselben Ort sitzen ist technisch heutzutage dank Cloud-Systemen völlig unerheblich. Vielmehr sollte es das Ziel sein, dass alle technisch alle Abfragesysteme so vorliegen, dass es völlig egal ist welches Anliegen anhand der standardisierten Algorithmen wo abgefragt wird.

Aber auch ein Disponent, der nicht alle am Einsatz beteiligten Ressourcen tatsächlich disponiert, benötigt keine Zusammenlegung. Ob die an einem Einsatz beteiligten Disponenten im gleichen Gebäude sitzen oder nicht, ist bei modernen Einsatzleitsystem völlig egal, da moderne Kommunikation mehr über Klicks und Chats funktioniert, als über Zurufe von in einem Raum sitzenden Personen. Es läuft eben alles in der Cloud.

Zur räumlichen Zusammenlegung mehrerer Gebiete

Es ist technisch mittlerweile völlig egal, wo sich eine Leitstelle bzw. ein Leitstellenmitarbeiter physikalisch befindet. Auch bei der Disposition sollte es ja weder Kreis-, noch Landes- und auch keine Bundesgrenzen mehr geben.

Auch die Größe einer Leitstelle oder die betreuten Bürger oder die überwachte Fläche spielt nur eine unterordnete Rolle, wobei Leitstellen mit zunehmender Größe qualitativ hochwertiger und wie sich zeigt auch effizienter und damit kostengünstiger werden.

Oftmals werden im Zuge von Zusammenlegungen nur zwei oder drei Landkreise/Bezirke zusammengeschaltet, statt in Anbetracht des dafür nötigen Aufwandes gleich größere Gebiete zusammenzufassen. Maximaler Aufwand bei minimalem Nutzen quasi !?!

Wo liegt das Problem?

Teilweise liegt die veraltete Denkweise sicher auch am leitstellenseitigen Führungsanspruch "der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr" mit mitunter hypertrophen Anforderungen an technische Ausführungen und für die heutige Zeit veralteten Arbeitsabläufen und strikten Gebietsgrenzen. Führend bei all diesen Überlegungen muss aber jener Bereich sein, der die meisten Events zu verarbeiten hat und der normaler Weise (vor allem in den nachfolgenden Einheiten und bei den Folgekosten) auch das meiste Geld kostet … der Gesundheitsbereich.

Eine Ausrichtung von Leitstellen vorrangig an den Bedürfnissen der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr und des Katastrophenschutzes ist für die vielfach diffizileren Notwendigkeiten im Gesundheitsbereich geradezu kontraproduktiv, vielmehr können aber umgekehrt alle Begehrlichkeiten relativ leicht abgedeckt werden.

Sind Cloud-Systeme Alternativen zu Zusammenlegungen alten Stils?

JA, statt Zusammenlegungen der Zusammenlegung willens sollte man lieber in moderne Technologien investieren und sich von veralteten Standortkonzepten trennen.

Durch die Ausrichtung auf Cloudsysteme ist es völlig egal wo die Mitarbeiter sitzen, sie können auch aufgeteilt auf mehrere Standorte oder im Homeoffice tätig werden. Kriterium ist einzig eine stabile Internetverbindung und ein Computer mit Headset, Tastatur und Maus.

Modernste Systeme sind mittleriweile vollwertig auf einem iPad bedienbar. Mehr braucht es nicht mehr …. alle Einzel-Systeme sind digitalisiert und benötigen am Arbeitsplatz keine besondere Infrastruktur mehr. Die Zeit von vielen Hörern, Mäusen, Tastaturen und Bildschirmwänden sollte mittlerweile überall vorbei sein.

Auch der Datenschutz, gern als k.o.-Argument verwendet, ist dabei kein großes Problem, gelten doch die gleichen Datenschutzregelungen für jeden Arbeitsplatz, egal wo er sich befindet. Beim Datenschutz ist der Fokus sicher bei den Mitarbeitern selbst zu sehen, die technischen Systeme kann man gleichartig schützen, egal wo sie stehen.

Wesentliches Kriterium ist, dass die Mitarbeiter der Leitstelle die Sprache des Gebietes für das sie zuständig sind beherrschen, was bei Dialekten nicht unbedingt immer einfach ist.

Warum werden dann  Cloud-Systeme nicht schon lange überall eingesetzt?

Die Frage beantwortet sich von selbst, wenn man an die alten Raumkonzepte von Leitstellen denkt und wer dabei profitiert …. gut bezahlte Berater und die Industrie, die noch ihre "bewährten" Systeme vertreiben kann.

Wer gewinnt eigentlich bei einer Zusammenlegung?

Oft wird die Frage gestellt, wer bei einer Leitstellenzusammenlegung "gewinnt". Eigentlich einen absurde Frage und auf den ersten Blick gibt es auch nur einen wirklichen „Gewinner“ …. der ist aber jener, um den bei all unseren Bemühungen vorrangig gehen sollte:

  • Die Mitarbeiter sind keine „Gewinner“, sie haben es sich meist in ihrer alten Leitstelle „gerichtet“ und wickeln den Dienst im gewohnten täglichen Routinen ab
    • Plötzlich müssen sie sich in einem neuen, oft viel größeren und auf den ersten Blick unpersönlicherem Arbeitsumfeld zurechtfinden
    • Plötzlich werden jahrelang aufgebaute Mitarbeiterhierarchien aufgebrochen und jeder muss sich neu positionieren. Der Älteste muss neu unten anfangen.
    • Viele Mitarbeiter haben auf einmal einen weitern Weg zum Dienst, das kosten Zeit und Geld.
    • Für viele Mitarbeiter ändert sich der lange gewohnte Dienst- und auch der Urlaubsplan
  • Die Fahrdienstmannschaften auf den KTWs, RTWs, NEFS, ... sind auch keine „Gewinner“, haben mit neuem Gegebenheiten zu kämpfen:
    • Auf einmal kennt man die Disponenten nicht mehr persönlich
      • und kann sich dadurch nichts mehr „selbst richten“
      • und kann dadurch nicht Einfluß auf Ausrückungen nehmen
    • Es werden Standardisierungen nötig, die in kleinräumiger Struktur so nicht nötig waren
      • und damit wirkt alles auf einmal unpersönlicher
      • manches wird tatsächlich dadurch mühsamer
  • Die Verantwortlichen haben auf einmal für viele Dinge erhöhten Erklärungsbedarf
    • Dinge die man kleinräumig gut „unter der Hand“ ausmachen konnte, müssen auf einmal in Gremien besprochen und abgesegnet werden.
    • Größere Leitstellen sind meist nicht billiger, sondern auf Grund der durch die Zusammenlegung gestiegenen Qualitätsansprüche oft sogar teurer.
  • Die Politiker müssen sich für Ihre Entscheidung rechtfertigen
    • Wenn sie die Leitstelle „verloren“ haben, haben sie dann selbst „verloren“ ?
    • Wenn sie die Leitstelle in ihrem Bereich haben, müssen sie sich für Probleme rechtfertigen, die sie ohne vergrösserte Leitstelle so gar nicht hätten.
  • GEWINNER ist vor allem der Patient bzw. der Notrufende
    • der qualitativ besser betreut wird
    • von vorher nicht vorstellbaren technischen Systemen profitiert
    • dem rascher und zielgerichteter geholfen werden kann
    • der besser und rascher zum „Best Point of Service“ gelenkt wird

Daher sollte man sich die Nachteile ersparen und mit einer Cloud-Lösung rasch die tatsächlich gewollten Vorteile erzielen

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