Übersetzungstools

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In Rettungsleitstellen gewinnen Übersetzungslösungen an Bedeutung. In einer zunehmend mehrsprachigen Bevölkerung kommt es vor, dass anrufende Personen kein oder nur wenig Deutsch sprechen. In einer Situation, in der jede Sekunde zählt, kann eine Sprachbarriere zu Missverständnissen, Verzögerungen oder im schlimmsten Fall zu einer gefährdeten Hilfeleistung führen. Diese Seite ordnet ein, welche Werkzeuge es gibt, wo sie heute schon eingesetzt werden und worauf bei ihrer Nutzung zu achten ist.

Worum es geht

Die europaweit einheitliche Notrufnummer 112 besteht seit 1991. Englischsprachige Anrufe lassen sich häufig noch bewältigen, doch bei Sprachen wie Arabisch, Russisch, Rumänisch oder Farsi war schon das bloße Erkennen der Sprache oft schwierig. Bislang wurde in solchen Fällen meist auf Dolmetscher zurückgegriffen - ein in zeitkritischen Notfällen aufwändiger und nicht immer verlässlicher Weg. Moderne Übersetzungslösungen setzen genau hier an.

Welche Werkzeuge gibt es?

Spezialisierte Leitstellensysteme

Für die Notrufannahme entwickelte Systeme erkennen die gesprochene Sprache automatisch, transkribieren sie und übersetzen in Echtzeit - idealerweise in beide Richtungen, sodass auch die Rückfragen und Anweisungen der Disponenten in der Sprache der anrufenden Person ausgegeben werden. Solche Systeme sind auf den Leitstellenbetrieb zugeschnitten und lassen sich in die vorhandene Technik einbinden.

Telefon- und Videodolmetscherdienste

Professionelle Dolmetscherdienste lassen sich per Telefon oder Video in das Gespräch zuschalten. Ihr Vorteil liegt in der menschlichen Sprach- und Kulturkompetenz, etwa bei sensiblen oder mehrdeutigen Schilderungen. Nachteilig sind die Zeit bis zur Zuschaltung und die Verfügbarkeit - beides in einem zeitkritischen Notruf nicht zu unterschätzen.

Generische Übersetzungs-Apps

Allgemeine Werkzeuge wie DeepL oder gängige Übersetzer-Apps werden zum Teil als Behelfslösung genutzt. Sie sind breit verfügbar, aber nicht für die Notrufannahme konzipiert: Sie bieten keine automatische Spracherkennung im Gesprächsfluss, keine geprüfte Rückübersetzung und keine an den Leitstellenbetrieb angepasste Sicherheit. Für den verbindlichen Einsatz im Notruf sind sie daher nur eingeschränkt geeignet.

Praxisbeispiel: ASGARD in der ILS Bayreuth/Kulmbach

Als erste Leitstelle in Bayern setzt die Integrierte Leitstelle (ILS) Bayreuth/Kulmbach das KI-gestützte Übersetzungssystem ASGARD der Frequentis Deutschland GmbH ein. Das System erkennt nach Herstellerangaben rund 400 Sprachen und Dialekte, übersetzt fremdsprachige Notrufe in Echtzeit ins Deutsche und ermöglicht eine bidirektionale Kommunikation: Disponentinnen und Disponenten können sowohl freie Texte als auch Standardfragen eingeben, die übersetzt und der anrufenden Person per Sprachausgabe vorgelesen werden.

Die automatische Live-Übersetzung läuft dort seit Oktober 2024 im Echtbetrieb; offiziell eingeweiht wurde das Pilotprojekt am 26. September 2025. Die Projektkosten liegen bei rund einer Million Euro und werden vom Freistaat Bayern zu 75 Prozent bezuschusst. Die ILS Bayreuth/Kulmbach nimmt nicht-polizeiliche Notrufe für die Stadt Bayreuth sowie die Landkreise Bayreuth und Kulmbach mit zusammen rund 250.000 Einwohnerinnen und Einwohnern entgegen. Der Freistaat prüft, ob sich die Live-Übersetzung als Standard in weiteren Leitstellen eignet.

Bemerkenswert für die Praxis: Bevor eine Eingabe der Leitstelle an die anrufende Person übersetzt wird, prüft das System die Korrektheit des Verstandenen. Das kostet im Ablauf etwas Zeit, stellt aber sicher, dass die für die Disposition entscheidenden Angaben fehlerfrei übermittelt werden.

Worauf es ankommt

Übersetzung im Notruf ist sicherheitskritisch. Ein Fehler beim Einsatzort oder bei der Schilderung der Symptome kann unmittelbare Folgen für die Versorgung haben. Maßgeblich sind aus Sicht der Björn Steiger Stiftung daher:

  • Genauigkeit und Verlässlichkeit - gerade bei medizinischen Begriffen und der korrekten Erfassung des Notfallorts. Mechanismen zur Plausibilitäts- und Korrektheitsprüfung erhöhen die Sicherheit.
  • Geschwindigkeit - die Lösung muss im zeitkritischen Notruf ohne nennenswerten Verzug funktionieren.
  • Datenschutz und IT-Sicherheit - Notrufinhalte sind hochsensibel. Cloudbasierte und lokale Verarbeitung sind unterschiedlich zu bewerten; Leitstellen sind Teil der kritischen Infrastruktur.
  • Mensch im Mittelpunkt - das Werkzeug unterstützt die Disponenten; die fachliche Bewertung und Entscheidung bleibt bei ihnen.

Richtig eingesetzt können Übersetzungslösungen einen erheblichen Beitrag zur Barrierefreiheit und zur Sicherheit der Notfallversorgung leisten. Die Björn Steiger Stiftung begleitet diese Entwicklung kritisch-konstruktiv und misst neue Anwendungen an ihrem nachweisbaren Nutzen für die Patientenversorgung.

Weiterführend

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Beispiele für Übersetzungstools:

Stand: Juni 2026

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