Grundlegende Reform des Rettungsdienstes stärkt Notfallsanitäter und verbessert die Notfallversorgung

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Offener Brief macht Reformbedarf im Rettungsdienst deutlich.

Die Björn Steiger Stiftung bekräftigt ihre Forderung nach einer grundlegenden Reform des deutschen Rettungswesens und warnt vor den Folgen veralteter Strukturen. Nach Einschätzung der Stiftung gehören Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter – neben Notfallpatientinnen und -patienten – zu den Hauptleidtragenden des derzeitigen Systems.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Stiftung in einem offenen Brief an Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter in ganz Deutschland gewandt. Ziel ist es, Positionen transparent darzulegen, Sorgen aufzugreifen und zu verdeutlichen, dass Reformen im Rettungswesen ausdrücklich darauf abzielen, ihre Arbeitsbedingungen und Handlungsmöglichkeiten zu verbessern.

Im Zentrum der Reformforderungen stehen international anerkannte Qualitätsstandards der Notrufabfrage für ganz Deutschland. Sie sollen eine präzise Patientensteuerung ermöglichen und verhindern, dass der Rettungsdienst für nicht lebensbedrohliche Einsätze blockiert wird. Nach Einschätzung der Stiftung bestehen hierzulande – anders als im europäischen Vergleich – weiterhin erhebliche strukturelle Schwächen, die täglich Menschenleben kosten: die Leitstellen können nicht auf beste international verfügbare medizinische Handlungsempfehlungen zugreifen, digitale Notruf- und Kommunikationswege sind nicht flächendeckend integriert, und Telefonreanimation wird regional unterschiedlich umgesetzt. Auch First-Responder-Strukturen und technische sowie organisatorische Leitstellenstandards sind bundesweit uneinheitlich.

Diese strukturellen Defizite wirken sich unmittelbar auf die Patientensicherheit aus – unabhängig von Qualifikation und Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte. „Das Problem ist nicht der Rettungsdienst, sondern das System, in dem er arbeiten muss“, erklärt Pierre-Enric Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. „Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter sind hochqualifizierte medizinische Fachkräfte. Ihre Kompetenz wird jedoch durch veraltete Steuerungs- und Entscheidungsstrukturen stark eingeschränkt.“

Die Stiftung fordert daher:

  • bundesweit einheitliche, qualitätsgesicherte Leitstellenstandards,
  • eine verpflichtende Anleitung zur Telefonreanimation bei Herz-Kreislauf-Stillständen,
  • eine deutschlandweit verbindliche Integration von First-Responder-Strukturen,
  • moderne digitale Kommunikations- und Notrufsysteme, einschließlich gängiger Messenger-Dienste,
  • klar definierte Verantwortlichkeiten sowie transparente Qualitätskontrollen.

Zugleich widerspricht die Stiftung der Befürchtung, Reformen könnten Arbeitsplätze im Rettungsdienst gefährden. Vielmehr werde der Bedarf an qualifizierten Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern weiter steigen, während ein modernes System parallele Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen reduziere.

Nach Auffassung der Stiftung zeigt der internationale Vergleich, dass andere Länder ihre Rettungssysteme früher und konsequenter an medizinische Standards angepasst haben. In Deutschland hingegen würden vielfach nur schrittweise Anpassungen vorgenommen, anstatt veraltete Strukturen grundlegend zu modernisieren.

Die Björn Steiger Stiftung versteht ihr Engagement als Einsatz für eine leistungsfähige Rettungskette, für Patientensicherheit und für die nachhaltige Stärkung des Berufsbildes der Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter. Ziel ist ein einheitliches, modernes und patientenzentriertes Rettungswesen, das medizinische Kompetenz dort wirksam werden lässt, wo sie Leben rettet.

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