Drei Namen, eine Idee: GNS, REF und AEF

Diesen Beitrag teilen

Gemeindenotfallsanitäter, Rettungseinsatzfahrzeug, Akuteinsatzfahrzeug - verschiedene Bundesländer, verschiedene Bezeichnungen, im Kern aber dasselbe Konzept: ein erfahrener Notfallsanitäter fährt allein zu Patienten, bei denen ein Rettungswagen nicht erforderlich ist.

Steigende Einsatzzahlen, immer mehr Low-Level-Anrufe, Notaufnahmen am Anschlag - überall in Deutschland sucht man Wege den Rettungsdienst gezielter einzusetzen. Eine der erfolgreichsten Antworten ist der Single-Responder: ein speziell weitergebildeter Notfallsanitäter, der mit einem NEF-ähnlichen Fahrzeug zu niedrigschwelligen Einsätzen ausrückt, vor Ort medizinisch beurteilt, ambulant versorgt oder in die richtige Versorgungsstruktur weitervermittelt.

Das Konzept gibt es inzwischen in mehreren Bundesländern - unter drei verschiedenen Namen, mit unterschiedlichen Qualifikationswegen und Rechtsgrundlagen.

Die drei Konzepte im Überblick

NIEDERSACHSEN · SACHSEN-ANHALT

GNS

Gemeindenotfallsanitäter

Der Ursprung. Seit 2019 in der Region Oldenburger Land im Echtbetrieb, seit 2023 auch in Sachsen-Anhalt.

BAYERN

REF

Rettungseinsatzfahrzeug

Bayerische Variante. Pilot in Regensburg seit 2022, seit Ende 2025 auf fünf Standorte erweitert.

NIEDERSACHSEN

AEF

Akuteinsatzfahrzeug

Direkter Nachfolger des GNS-Konzepts in Niedersachsen. Seit Anfang 2025 in vier Trägergebieten - inklusive Telenotfallmedizin.

Wo gibt es das System konkret?

NIEDERSACHSEN · GNS / AEF

Akuteinsatzfahrzeug (AEF)

Seit Anfang 2025 als zweijähriges Pilotprojekt mit Telenotfallmedizin-Anbindung. Konzeptionell die Weiterentwicklung des seit 2019 etablierten GNS-Projekts in der Region Oldenburger Land.

  • Stadt Oldenburg
  • Landkreis Cloppenburg
  • Landkreis Vechta
  • Landkreis Goslar

SACHSEN-ANHALT · GNS

Gemeindenotfallsanitäter

Auf Grundlage der Experimentierklausel im Rettungsdienstgesetz seit Juli 2023. Erstes Projekt stationiert in Gräfenhainichen, mit kreisweitem Einsatzgebiet.

  • Landkreis Wittenberg
  • Burgenlandkreis

BAYERN · REF

Rettungseinsatzfahrzeug

Seit April 2022 in Regensburg, Ende 2024 als Pilot erfolgreich abgeschlossen, anschließend in erweiterten Probebetrieb überführt. Seit Ende 2025 an vier weiteren Standorten.

  • Stadt & Landkreis Regensburg
  • Ansbach
  • Landkreis Dachau
  • Rosenheim
  • Würzburg

Was unterscheidet die drei Modelle?

Funktional sind sich GNS, REF und AEF sehr ähnlich - Single-Responder, weitergebildeter Notfallsanitäter, NEF-ähnliches Fahrzeug, niedrigschwellige Steuerung über die Leitstelle. Die Unterschiede liegen vor allem in den Qualifikationen, der Rechtsbasis und der Finanzierung.

MerkmalGNS NiedersachsenGNS Sachsen-AnhaltREF Bayern
Weiterbildung480 Std. (3 Monate)160 Std.spezifische Schulung
Berufserfahrungmin. 5 Jahremin. 2 Jahreerfahrener NotSan
RechtsbasisModellprojektExperimentierklausel RettDGAuftrag StMI
FinanzierungKrankenkassenMischmodellProbebetrieb
VerstetigungangestoßenangestoßenProbebetrieb läuft

Warum das überhaupt funktioniert

Die Zahlen aus den Pilotregionen sind eindeutig. Im Landkreis Cloppenburg ist das AEF im ersten Einsatzjahr 2025 zu über 2.200 Einsätzen ausgerückt. Im Landkreis Vechta übernimmt das Fahrzeug aktuell fünf bis sieben Einsätze täglich. Die Malteser berichten aus der Region Oldenburger Land, dass in einem Großteil der Einsätze keine Klinikeinlieferung nötig wurde.

Ein RTW, der nicht zu einem Bagatelleinsatz fährt, steht beim nächsten Herzinfarkt zur Verfügung. So einfach ist die Rechnung.

Die wissenschaftliche Begleitung - insbesondere das vom Innovationsfonds geförderte Projekt ILEG - hat den Ansatz als sinnvoll für die Regelversorgung eingestuft. Niedersachsen und Sachsen-Anhalt haben die Verstetigung mittlerweile angestoßen.

Funktional verwandt, aber kein Single-Responder

Daneben gibt es Konzepte, die das gleiche Problem adressieren, aber organisatorisch anders gebaut sind:

Notfall-KTW (NKTW) in Hessen und Region Hannover

Hessen hat zum 1. Januar 2025 mit dem neuen Rettungsdienstplan den NKTW als Möglichkeit eingeführt. In der Region Hannover läuft ein vergleichbares System bereits seit 2023. Wichtig zur Abgrenzung: Der NKTW wird mit speziell weitergebildeten Rettungssanitätern besetzt - nicht mit weitergebildeten Notfallsanitätern. Es handelt sich also nicht um ein GNS-Äquivalent, sondern um ein anderes Steuerungsinstrument.

SaN-Projekt in Hessen

Das hessische Pilotprojekt „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung" geht einen verwandten Weg, integriert aber stärker den kassenärztlichen Bereich.


Quellen und weiterführende Informationen

  1. Gemeindenotfallsanitäter Niedersachsen - gemeindenotfallsanitaeter.de
  2. Großleitstelle Oldenburger Land - Akuteinsatzfahrzeug AEF - gol112.de
  3. Rettungsdienst Landkreis Vechta - AEF - rettungsdienst-lkvechta.de
  4. Bayerisches Staatsministerium des Innern - Landrettung & REF - stmi.bayern.de
  5. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung - REF-Evaluation - zi.de
  6. Medizinischer Dienst Sachsen-Anhalt - ILEG-Auswertung - md-forum.de
  7. Hessischer Rettungsdienstplan 2025 / NKTW - skverlag.de
nach oben
crossmenu