
Die Anfang des Jahres 2026 in Landau an der Isar neu geschaffene ehrenamtliche Rettungsdienst-Ergänzung des Bayerisches Rotes Kreuz zeigt eindrücklich, wie groß das Engagement von Ehrenamtlichen im Bevölkerungsschutz und Rettungsdienst ist. Dieses Engagement verdient Anerkennung und Wertschätzung – insbesondere dort, wo Versorgungsstrukturen unter Druck geraten.
Gleichzeitig macht das Beispiel Landau ein grundlegendes strukturelles Problem sichtbar: Der Einsatz ehrenamtlicher Einheiten wird offenbar notwendig, weil sich die reguläre Notfall- und Akutversorgung vor Ort verschlechtert hat, unter anderem durch die Schließung einer Notaufnahme und längere Transportwege.
Die ehrenamtliche Rettungsdienst-Ergänzungen in Landau ist daher vielleicht aktuell eine notwendige Hilfe – sicher aber keine nachhaltige Dauerlösung.
Ehrenamtliche Kräfte können und sollen den Rettungsdienst unterstützen, etwa bei Einsatzspitzen, Großereignissen oder zur temporären Überbrückung von Zeitfenstern. Sie dürfen jedoch nicht zum Ersatz für eine dauerhaft unzureichende professionelle Vorhaltung werden und haben dabei die Rolle einer skalierenden Reserve, nicht die einer dauerhaften Vorhaltung.
Eine verlässliche, flächendeckende und qualitativ hochwertige Notfallversorgung ist und bleibt eine öffentliche Pflichtaufgabe.
Wo ehrenamtliche Rettungsdienst-Ergänzungen eingesetzt werden, braucht es:
Ehrenamt darf nicht zum strukturellen Lückenfüller werden, ohne dass gleichzeitig die Ursachen dieser Lücken politisch und planerisch angegangen werden.
Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiger Bestandteil der Resilienz im Rettungswesen. Die Stärke des Ehrenamtes liegt dort, wo es ergänzt, unterstützt und überbrückt – nicht dort, wo es strukturelle Defizite der Regelversorgung kompensieren soll.
Beispiel: Skalierende Reserve und Ergänzung bei Einsatzspitzen und Großschadenslagen
Ehrenamtliche Einheiten übernehmen eine zentrale Rolle bei außergewöhnlichen Lagen, etwa bei einem Massenanfall von Verletzten, Naturereignissen oder komplexen Schadenslagen. Sie stellen zusätzliches Personal und Material bereit und helfen dabei, das Gesamtsystem kurzfristig zu stabilisieren.
Beispiel: Sanitätsdienste und präventive Absicherung
Bei Veranstaltungen, Großereignissen oder Versammlungen übernehmen Ehrenamtliche Sanitätsdienste als präventive Entlastung außerhalb der Regelnotfallversorgung. Sie leisten niedrigschwellige medizinische Hilfe, erkennen Notfälle frühzeitig und verhindern unnötige Inanspruchnahmen des Regelrettungsdienstes.
Beispiel: Unterstützungsgruppen im Rettungsdienst als temporäre Verstärkung
Unterstützungsgruppen können zeitlich begrenzt bei Personalknappheit oder Einsatzhäufungen unterstützen. Voraussetzung ist eine klare Disposition über die Leitstelle, definierte Einsatzgrenzen sowie eine eindeutige Einbindung in bestehende Führungsstrukturen. Es handelt sich dabei um eine temporäre Verstärkung, keinen Ersatz für reguläre Rettungsmittel.
Beispiel: Katastrophen- und Bevölkerungsschutz
Im Katastrophenschutz ist Ehrenamt unverzichtbar. Ehrenamtliche tragen Sanitäts- und Betreuungsstrukturen, Versorgungszüge und Behandlungsplätze bei langandauernden oder großflächigen Schadenslagen. Es geht dabei um die Bewältigung außergewöhnlicher Lagen und nicht um den rettungsdienstliche Alltag.
Beispiel: First-Responder-Systeme
First Responder sollen verkürzen das sogenannte “therapiefreie Intervall”, also die Zeit zwischen dem Eintreten des Notfalls und der ersten medizinischen Versorgung minimieren. Je schneller qualifizierte Maßnahmen durchgeführt werden, desto günstiger ist der Heilungsablauf und umso kürzer ist die nachfolgend notwendige Behandlungszeit. First Responder verkürzen diesen behandlungslosen Zeitraum bis zum Eintreffen des Rettungswagens oder des Notarztteams.
Ehrenamtliches Engagement ist unverzichtbar – aber keine systemische Lösung für strukturelle Defizite in der Notfallversorgung.
Notwendig sind nachhaltige strukturelle Entscheidungen, die sicherstellen, dass die rettungsdienstliche Versorgung der Bevölkerung nicht von der Verfügbarkeit zusätzlicher Ehrenamtlicher abhängt, sondern auf einer verlässlichen professionellen Basis ruht.
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