Smartwatch mit „Breathing Emergency Detection“

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Kritische Atemnotfälle können dazu führen, dass der Sauerstoffgehalt im Blut stark absinkt und Betroffene innerhalb kurzer Zeit das Bewusstsein verlieren. Besonders gefährlich sind solche Ereignisse, wenn niemand anwesend ist, der den Notfall erkennt und Hilfe ruft.

Google führt deshalb für die Pixel Watch eine neue Sicherheitsfunktion ein: „Breathing Emergency Detection“, auf Deutsch etwa „Erkennung eines Atemnotfalls“. Die Funktion soll einen anhaltenden und gefährlich niedrigen Sauerstoffgehalt erkennen und bei ausbleibender Reaktion einen Notruf veranlassen.

Mögliche Auslöser eines solchen Zustands können beispielsweise eine versehentliche Überdosierung, eine schwere Lungenentzündung oder Ersticken sein. Die Funktion stellt jedoch keine medizinische Diagnose und kann die Ursache des Sauerstoffabfalls nicht bestimmen.

Alle Informationen von Google dazu gibt es im Google-Blog und im Google Health Help Center.

Die Atemnotfallerkennung von Google ist ein mehrstufiger Prozess

  • Die Funktion ist optional und muss vom Nutzer ausdrücklich aktiviert werden.
  • Während die Pixel Watch getragen wird, wertet ein KI-gestützter Algorithmus Signale optischer Sensoren sowie Bewegungs- und Höhendaten aus.
  • Das System sucht nach einem anhaltenden, gefährlichen Abfall der Sauerstoffsättigung in einer Phase mit geringer Bewegung. Dabei wird unter anderem geprüft, ob die Person nicht bereits länger als 30 Minuten schläft und ob keine schnelle Höhenveränderung stattfindet.
  • Erkennt die Uhr einen möglichen Atemnotfall, vibriert sie und zeigt für etwa 30 Sekunden eine Abfrage an. Diese kann manuell beendet werden. Erkennt die Uhr ausreichende Bewegung, wird die Abfrage ebenfalls automatisch beendet.
  • Erfolgt keine Reaktion, startet ein weiterer Countdown von etwa 30 Sekunden. Währenddessen vibriert die Uhr weiter und gibt ein lautes akustisches Signal aus. Dieser Countdown muss aktiv abgebrochen werden, wenn keine Hilfe benötigt wird.
  • Reagiert die Person auch während des Countdowns nicht, veranlasst die Funktion einen Anruf bei der örtlichen Notrufstelle. Der Anruf kann über eine entsprechend verbundene Pixel Watch beziehungsweise über das verbundene Android-Smartphone erfolgen.

Was hört die Leitstelle?

Wird der Notruf verbunden, spielt das Gerät eine automatisierte Sprachansage ab. Darin wird mitgeteilt, dass die Uhr einen Atemnotfall erkannt hat und die betroffene Person nicht auf die vorherigen Abfragen reagiert hat. Außerdem werden Standortinformationen übermittelt. Optional können zuvor hinterlegte Notfallkontakte benachrichtigt werden.

Die Ansage wird in der für die jeweilige Region vorgesehenen Sprache abgespielt und dreimal wiederholt. Befindet sich eine andere Person in der Nähe oder kann die betroffene Person später wieder sprechen, lässt sich die automatische Ansage am Gerät beenden.

Der Notruf bleibt dabei grundsätzlich ein normaler Telefonanruf. Das Mikrofon ist während des gesamten Gesprächs geöffnet, sodass die Leitstelle Geräusche, die betroffene Person oder anwesende Helfer hören kann. Wurde ein Notruf versehentlich ausgelöst, sollen Nutzerinnen und Nutzer nicht auflegen, sondern der Leitstelle mitteilen, dass keine Hilfe benötigt wird.

Umsetzung in den Leitstellen

Für Leitstellen entsteht damit neben automatisierten Sturz-, Unfall- und Pulsverlustmeldungen eine weitere Kategorie technisch ausgelöster Notrufe. Entscheidend ist, dass Disponenten die automatische Ansage richtig einordnen und erkennen können, dass möglicherweise eine nicht ansprechbare Person mit einem kritischen Sauerstoffmangel Hilfe benötigt.

Ist der Android Emergency Location Service - kurz ELS bzw. AML - auf dem Gerät aktiviert und in der betreffenden Region verfügbar, kann der Notruf über ELS die Standortinformationen einschließlich Höheninformationen sowie Metadaten zur erkannten Atemnotfallsituation übermitteln. Laut dem Android Emergency Location Teams soll ELS ab November 2026 zusätzlich das Feld "breathing_emergency_time" unterstützen. Es enthält den Zeitpunkt, zu dem der Atemnotfall erkannt wurde. Dieses Feld soll in ELS-HTTPS-Reports für solche Endpunkte enthalten sein, die für den Empfang der allgemeinen „Additional Emergency Information“ entsprechend konfiguriert wurden. Die Übermittlung erfolgt daher nicht automatisch an jeden ELS-Endpunkt. Die Leitstellen müssen den Empfang dieser Zusatzinformationen natürlich aktiviert haben.

Verfügbarkeit und Zulassung

Breathing Emergency Detection ist seit August 2026 auf der Pixel Watch 4 und 5 in ausgewählten europäischen Ländern verfügbar. Dazu gehören Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, die Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und das Vereinigte Königreich. Weitere Länder können nach den jeweils erforderlichen regulatorischen Freigaben hinzukommen.

Die Funktion ist in der Europäischen Union CE-gekennzeichnet. Nach den Herstellerangaben umfasst die regulierte Medizinproduktefunktion die Erkennung des möglichen Atemnotfalls und das Veranlassen der Notruffunktion auf kompatibler Hardware. Der eigentliche Telefonanruf wird durch die Verbraucherhardware, also die Uhr oder das verbundene Smartphone ausgeführt.

Grenzen der Funktion

Breathing Emergency Detection kann nicht jeden Atemnotfall erkennen und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch eine medizinisch verordnete Echtzeitüberwachung der Sauerstoffsättigung. Die Funktion diagnostiziert oder behandelt keine Erkrankung und leistet keine medizinische Nachsorge. Sie ist unter anderem nicht für Personen mit chronisch niedriger Sauerstoffsättigung, vorbestehenden Atemwegserkrankungen, Herzinsuffizienz, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung oder Sichelzellanämie sowie nicht für Schwangere vorgesehen. Laut Google ist sie außerdem nicht für Personen unter 18 Jahren bestimmt.

Nach mehr als 30 Minuten Schlaf werden keine Atemnotfälle erkannt. Auch individuelle Faktoren wie der Blutfluss in der Haut, der BMI, schlafbezogene Atemstörungen oder Tätowierungen am Handgelenk können die Leistung beeinflussen. Schlechte Sensorwerte können im Alltag eine Abfrage auslösen, obwohl kein Notfall vorliegt. Schwere Schlafapnoe und Adipositas können die Wahrscheinlichkeit einer Fehlmeldung erhöhen.

Ein erfolgreicher Notruf ist zudem davon abhängig, dass Uhr beziehungsweise Smartphone ausreichend geladen sind, die notwendige Verbindung besteht und ein Mobilfunknetz verfügbar ist. Es ist nicht garantiert, dass jeder Anruf verbunden oder von einer Notrufstelle beantwortet wird.

Wie steht die Björn Steiger Stiftung dazu?

Die Björn Steiger Stiftung sieht in der automatischen Erkennung kritischer Atemnotfälle eine potenziell wichtige Ergänzung der Rettungskette. Gerade bei unbeobachteten Ereignissen kann ein automatisch veranlasster Notruf die Chance erhöhen, dass eine lebensbedrohliche Situation überhaupt oder früher bekannt wird.

Automatisierte Notrufe entfalten ihren Nutzen nur, wenn sie zuverlässig übertragen, in den Leitstellensystemen eindeutig gekennzeichnet und von den Mitarbeitenden richtig interpretiert werden können. Die angekündigte Ergänzung von ELS um "breathing_emergency_time" ist deshalb ein weiterer sinnvoller Schritt: Sie kann den Leitstellen zusätzlichen Kontext zur Art und zum Zeitpunkt des erkannten Ereignisses geben.

Wie zuverlässig die Funktion im Alltag arbeitet, wie häufig Fehlalarme auftreten und ob sie die Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe tatsächlich verkürzt, sollte nach der Einführung transparent ausgewertet werden. Technische Innovation muss sich daran messen lassen, ob sie die Rettungskette praktisch verbessert, ohne die Notrufstellen unverhältnismäßig mit Fehlmeldungen zu belasten.


Disclaimer: Die hier vorgestellte Lösung ist eine Möglichkeit auf diesem Gebiet. Die Björn Steiger Stiftung findet diese Lösung so interessant, dass wir sie hier vorstellen, ohne dafür eine Abgeltung oder Vergütung in irgendeiner Form zu erhalten. Die Stiftung war weder an der Entwicklung noch an der Umsetzung der Funktion beteiligt. Die Angaben zur Funktionsweise, Verfügbarkeit und Zulassung beruhen auf den Informationen des Herstellers mit Stand August 2026.

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