Aktuelle Reanimationszahlen bestätigen Forderungen der Björn Steiger Stiftung

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Die Björn Steiger Stiftung sieht ihre zentralen Forderungen für eine bessere Notfallversorgung durch die neuen Daten des Deutschen Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) eindeutig bestätigt. Zwar zeigen die Ergebnisse vereinzelt positive Entwicklungen, doch in entscheidenden Bereichen verfehlt der Rettungsdienst systembedingt erneut wichtige Ziele: Immer noch in der Mehrzahl der Fälle unterbleibt die telefonisch angeleitete Reanimation, und zu viele Rettungskräfte erreichen den Einsatzort nicht innerhalb der vorgegebenen Zeit – mit fatalen Folgen für Betroffene.

Für die Analyse hat die DGAI Daten von 198 Notarzt- und Rettungsdiensten aus ganz Deutschland ausgewertet, die am Register teilnehmen. Eine besonders vollständige und qualitativ hochwertige Dokumentation lieferten 44 Standorte, die deshalb als Referenzgruppe dienten. Der Vergleich mit den übrigen Teilnehmern ermöglichte eine belastbare Hochrechnung für die Reanimationsversorgung in ganz Deutschland.

Telefonische Anleitung zur Reanimation bleibt zu oft aus

Zwar stieg laut der Daten des Reanimationsregisters die Quote der telefonischen Anleitung zur Reanimation: in der Referenzgruppe von 33,0 Prozent auf 40,4 Prozent, bundesweit auf 37,3 Prozent. Das heißt jedoch im Umkehrschluss: „Rund zwei Drittel der Leitestellen verzichten auf diese lebensrettende Maßnahme. Das ist nicht hinnehmbar“, sagt Chwojka. „Alle Leitstellen in Deutschland müssen standardisiert und verpflichtend eine telefonische Anleitung zur Reanimation geben – wie es internationale Standards längst vorsehen und in vielen Ländern bereits Realität ist.“

Rettungsdienst verfehlt Ziel der zeitgerechten Reanimation

Ein zentraler Faktor bei der Reanimation ist die Zeit. 2024 erreichte der Rettungsdienst in 78,5 Prozent der Fälle in der Referenzgruppe den Einsatzort innerhalb von acht Minuten, bundesweit lag die Quote bei nur 73,2 Prozent. Das Ziel von 80 Prozent wurde damit erneut nicht erreicht. „Eine Zielerreichung von 80 Prozent bedeutet zugleich, dass 20 Prozent der Patienten per Definition länger warten müssen und damit schlechtere Überlebenschancen haben. Das widerspricht dem Recht auf Gleichbehandlung und körperliche Unversehrtheit”, so Pierre Steiger, Präsident der Björn Steiger Stiftung. Selbstverständliches Ziel müsse es sein, allen Menschen die gleichen Überlebenschancen zu geben.

Die Hälfte wird nicht reanimiert

Aus Sicht der Björn Steiger Stiftung ist die Acht-Minuten-Marke bei Herz-Kreislauf-Stillstand ohnehin zu niedrig angesetzt. Laut der DGAI erlitten im letzten Jahr schätzungsweise rund 136.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. In etwa der Hälfte dieser Fälle begann der Rettungsdienst mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Für viele Menschen kommt diese Hilfe zu spät. „Wenn niemand vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung beginnt, dann sieht es ganz schlecht für den Patienten aus“, warnt Christof Constantin Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung. „Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist nach spätestens fünf Minuten ohne reanimierende Maßnahmen ein Überleben praktisch unmöglich.“ Deshalb fordert die Stiftung verpflichtende und standardisierte telefonische Anleitung zur Reanimation in allen Leitstellen und den flächendeckenden Ausbau von Ersthelfer-Netzwerken für kürzere Reaktionszeiten.

Immer mehr Laien reanimieren – doch Potenzial bleibt

Die Laienreanimationsquote stieg in der Referenzgruppe von 50,7 Prozent auf 55,4 Prozent – ein Fortschritt, den die Björn Steiger Stiftung ausdrücklich begrüßt. „Das zeigt, dass sich Aufklärung und niedrigschwellige Schulungsangebote lohnen“, so Steiger. Genau aus diesem Grund hat die Björn Steiger Stiftung die Initiative #herzsicher ins Leben gerufen: Sie soll die Reanimationsbereitschaft in der Bevölkerung nachhaltig erhöhen und so die Zahl vermeidbarer Todesfälle durch plötzlichen Herzstillstand senken. Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland können dafür kostenlose Schulungen zur Wiederbelebung buchen – direkt vor Ort, ob in Vereinen, Unternehmen oder im privaten Umfeld.

Verfassungsbeschwerde für ein gerechtes System

Die Björn Steiger Stiftung kritisiert seit Jahren, dass der deutsche Rettungsdienst strukturell überlastet ist und internationalen Standards deutlich hinterherhinkt. Die Rettungskräfte sind hochqualifiziert, aber ihnen sind die Hände gebunden. Es fehlen vernetzte Leitstellen, verbindliche Standards für Reaktionszeiten und bundesweit einheitliche App-Systeme zur Alarmierung von Ersthelfern. Wer heute die 112 wählt, bekommt auch dann den Rettungsdienst geschickt, wenn kein akuter Notfall vorliegt. Das führt im Ernstfall dazu, dass an anderer Stelle dringend benötigte Hilfe nicht rechtzeitig verfügbar ist. „Systembedingt sterben täglich Menschen. Die Politik muss jetzt endlich handeln, damit jeder in Deutschland dieselben Chancen auf rechtzeitige Hilfe im Notfall hat”, fordert Steiger. Um grundlegende Änderungen zu erreichen, hat die Stiftung im März dieses Jahres Verfassungsbeschwerde gegen den Bund und das Land Baden-Württemberg, stellvertretend für alle Bundesländer, eingereicht.

Zwei Personen leisten Erste Hilfe bei einer bewusstlosen Person am Boden in einem Büro. Eine Person kniet und überprüft den Zustand, die andere steht unterstützend daneben. Im Hintergrund sind Schreibtische, Stühle und Computer sichtbar.
Bildmaterial (Quelle: Björn Steiger Stiftung)
Die telefonische Anleitung zur Reanimation durch die Leitstelle kann im Notfall über Leben und Tod entscheiden – in Deutschland unterbleibt sie in der Mehrzahl der Fälle.

Über die Björn Steiger Stiftung:
Die Björn Steiger Stiftung wurde 1969 von Ute und Siegfried Steiger gegründet, nachdem ihr Sohn nach einem Verkehrsunfall an den Folgen unzureichender Notfallversorgung verstarb. Seitdem engagiert sich die Stiftung unermüdlich für die Verbesserung des Rettungswesens in Deutschland. Zu ihren wegweisenden Initiativen zählen unter anderem die Einführung der Notrufnummern 110/112, Gründung und Aufbau der Deutschen Rettungsflugwacht (DRF) sowie die Einrichtung von Notrufsäulen an Bundes- und Landstraßen. Die Stiftung verfolgt das Ziel, auf Missstände im Bereich der Notfallhilfe aufmerksam zu machen, den öffentlichen Diskurs anzustoßen und mit eigenen Projekten, wie dem Baby-Notarztwagen oder Herzsicher, und konkreten Lösungen zu einer besseren Notfallversorgung beizutragen – so auch 2025 mit der Einreichung einer Verfassungsbeschwerde zur Schaffung einheitlicher Regelungen im Rettungsdienst.

Weitere Informationen unter: www.steiger-stiftung.de

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